Adventsgeschichte

Eine profane Adventgeschichte

oder

Ein unerwarteter „Sautanz

 

Erlebt und aufgeschrieben von Hexa Kunigunde Kirch, geb.Klepper

 

Vor ungefähr 50 Jahren war ich, zusammen mit meiner Schwester, in Wetschehausen als Hilfslehrerin tätig.

Das kleine Dorf im Banat, 10 km weit weg von unserem Heimatstädtchen Lugosch, hatte noch keine Bahn - oder Busverbindung und wenn wir nachhause fahren wollten, schwangen wir uns auf die „Bizikeln“ und saßen eine Stunde später bei Mutter am Tisch.

Bei schlechtem Wetter mussten wir allerdings mit dem offenen Lastauto, welches die Arbeiter aus der Fabrik beförderte, vorliebnehmen.

Als der große Schnee kam und die Kälte fast unerträglich war, blieben wir manchmal übers Wochenende im Dorf. Das bedeutete, dass wir keinen Proviant für die nächste Woche hatten.

Anfang  Dezember war es wieder mal soweit.

Mit Schmalzbrot und Pfefferminztee saßen wir beim Schein der Petroleumlampe um den kleinen Trommelofen, als es plötzlich an der Tür klopfte.

Eingewickelt in ein warmes Schultertuch, einen abgedeckten Teller in der Hand, stand meine kleine Schülerin, Maria, vor der Tür.

„Mei Vattr schickt mich. Mir han heit Schwein gschlacht“, sagte sie, reichte mir den Teller und verschwand.

Was für ein Festmahl! Das Wochenende war gerettet.

Leber - und Blutwurst, Krameln und eine Bratwurst hatte uns die Familie geschickt.

Es war der Anteil vom „Sautanz“, den damals die Lehrer und der Pfarrer noch bekamen.

Das war doch ein schöner Brauch!

Ich habe in meinem späteren Leben öfter an diese Geschichte gedacht und wenn ich in Not war, hat sie mir Mut gemacht, auch weiterhin an das Gute im Menschen zu glauben.

 

 

Landshut,  den 25.11.2007

 

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